Die Feierlichkeiten zum 225. Kirchweih Jubiläum
Bericht von Hans Schlett
Als ich am Mittwochabend in Engelsbrunn ankam, empfing mich Hotz Georg mit den Worten:
“Es gibt Probleme!” Ich denke, mich laust der Affe! “Was für Probleme?” frage ich? “Es
kommen weit mehr Leute als angemeldet sind”, sagte er. Einige waren schon bei ihm, um sich
jetzt noch für den Empfang anzumelden. Das war für uns zu diesem Zeitpunkt ein wirkliches
Problem, denn wir hatten uns für circa 80 Leute aus Deutschland & USA vorbereitet, der Rest bis
150 sollten Gäste aus dem Dorf sein. Am Donnerstagmorgen gingen wir beide in das Rathaus um
mit Bürgermeister Emil Otlacan und seinem Vize, Emil Slach, über das Problem zu reden. Alle
vier gingen wir in die Kantine der ehemaligen Gostat um zu prüfen, ob mehr Platz vorhanden ist.
Wir erhöhten die Sitzplätze auf 180 Personen in der Hoffnung, dass es reicht. Es hat nicht
gereicht, aber wir haben das Problem gut gelöst.
Von Seiten der Gemeindeverwaltung und der Bewohner wurde der Kirchweih regelrecht
entgegengefiebert. Als wir am Freitag mit Familie Titsch Peter und Prost Johann durch das Dorf
gingen, sahen wir, dass einige Frauen die Häuser putzten und anstrichen. Auf meine Frage,
warum sie das tun, sagte mir eine Frau: “Am Sonntag ist Kirwei und früher haben die Deutschen
doch auch zu Kirwei ihre Häuser gestrichen und die Strasse gefegt, so machen wir es auch heute!
Die Gemeindeverwaltung hat im Park vor der Kirche 40 neue Bänke aufgestellt und einen
Spielplatz für die Kinder erstellt, seitdem lebt der Park wieder. Auch zwei neue
Haltestellenhäuschen wurden errichtet. In dem Haltestellenhäuschen vor dem Rathaus ist eine
elektronische Uhr mit Laufschrift eingebaut, darauf wurden wir zum 225-jährigen Jubiläum
herzlich willkommen geheißen mit den Worten: “Bine ati venit acasa, 225 ani
ENGELSBRUNN“. Außerdem wurde die Zeitung “Gazeta de Fantanele“ zum ersten Mal in der
Geschichte des Ortes herausgegeben. Aus dem Inhalt erfährt der Leser die gesamte Geschichte
des Ortes von seiner Gründung durch unsere Ahnen 1766 bis heute. Der Gemeinderat informiert
die Bewohner darin auch über neue Beschlüsse und Ergebnisse seiner Arbeit. Auch hier wurden
wir aufs Herzlichste zu unserem Kirchweihfest begrüßt. Und nicht zuletzt ist zu erwähnen der
neue Springbrunnen mit dem Engel darauf. Der ist noch nicht ganz fertig, denn auf dem
fünfkantigen Postament werden noch fünf Marmorplatten mit der Geschichte des Ortes montiert,
wo jeder lesen kann, dass der Ort von unseren Ahnen gegründet wurde und wir unseren Beitrag
zu seinem Wachstum geleistet haben.
Der Bus fuhr am Freitag, den 26. August, gegen 15.00 Uhr von Schwabach Richtung Passau los.
Unterwegs stiegen die Fahrgäste aus Augsburg, die mit einem Shuttlebus hierher gebracht
wurden, hinzu. Es war eine schöne aber lange und ermüdende Fahrt. Ich denke, dass die Idee von
Hubert Schuch, mittags loszufahren, um den Leuten, die von weither kamen, mehr Zeit zu geben,
nachts die freien Straßen zu nutzen und dabei eine Übernachtung im Hotel zu sparen, gut war.
Die Fahrt verlief ohne besondere Zwischenfälle, so dass der Bus morgens gegen 5:00 Uhr an der
Grenze war. Hier hieß es erstmals warten. Nach 4 Stunden war es dann so weit, so dass der Bus
gegen 10 Uhr in Neu-Arad am Hotel ankommen konnte. Nachdem die Hotelgäste ausgestiegen
waren, fuhr der Bus anschließend die restlichen Leute nach Engelsbrunn.
Als der Bus am Samstagmorgen im Dorf ankam, gab es ein großes Hallo, denn viele der „Alt-
Engelsbrunner“ wurden von ihren Gastgebern herzlich empfangen. Bei einigen gab es auch
Tränen der Freude, die alte Heimat nach langer Zeit wieder zu sehen. Der erste Weg war
natürlich zum neuen Quartier, um sich nach der langen und anstrengenden Fahrt etwas zu
erholen, danach gingen einige los um das Dorf zu erkunden.
Sonntagmorgen 10°° Uhr: Die Festmesse wurde in unserer allseits vertrauten Kirche mit vielen
Gästen abgehalten, unter anderem dem Bürgermeister und seinem Stellvertreter sowie dem
rumänischen Pfarrer, der extra seine Messe in der rumänisch-orthodoxen Kirche etwas früher
abgehalten hatte, um dabei sein zu können. Der evangelische Geistliche Walter Sinn war
selbstverständlich auch eingeladen. Er konnte aber nicht zur Messe kommen und sein
Stellvertreter in Engelsbrunn war ebenfalls verhindert, Zugegen waren auch Vertreter der Presse
aus Arad und nicht zuletzt wir, die Engelsbrunner, die wir die Strapazen auf uns genommen
hatten, um bei dieser Feier dabei zu sein.
Kurz vor zehn Uhr spielte die Blasmusik auf und die Kirchweihpaare marschierten von der
“Gostat” durch das Dorf zur Kirche. Dieser Aufmarsch wäre ohne die unermüdliche Organisation
und die Schaffenskraft von unserer lieben Landsfrau Barbara Link (Luxe Wawi), geb. Dittiger
NICHT möglich gewesen. Dafür sind wir ihr SEHR, SEHR dankbar. Die Straßen standen voller
Menschen, die klatschten und sich freuten als sie uns sahen. Vorneweg ging Frau Link in der
Tracht einer „Engelsbrunner Schwäbin“ mit der selbst gestifteten Fahne für die Kirche und, als
ihr Partner, Becker Franz als “Engelsbrunner Schwabe“ mit „Hut und “Tiechel“. Danach die 8
Paare ehemaliger Engelsbrunner, darunter unser Landsmann Josef Ganz mit seiner Frau Eva aus
USA und das rumänische Kinderpaar Dana Balaj und Herr Homorogan. Unser Aufmarsch war
nicht so groß und so pompös wie 1980 bei der 200 Jahrfeier, aber wir sind stolz, diese kleine
Feier auf die Beine gestellt zu haben.
Herr Pfarrer Dirschl empfing uns nach altem Brauch vor der Kirche und geleitete uns hinein.
Während der Messe hielt Herr Dittiger Josef eine sehr schöne und bewegende Rede in Deutsch
und Rumänisch, danach wurde die von der HOG gespendete Kerze entzündet, der
Kirchweihstrauß geweiht und Frau Link Barbara sagte ihr selbst geschriebenes Gedicht zur
Kirchweihfeier auf. Die Festmesse wurde größtenteils in Deutsch gehalten, mit einigen
rumänischen Einlagen, damit alle Anwesenden etwas von der Messe verstanden.
Nach der Messe marschierten die Trachtenpaare durch das Dorf zurück zur Kantine der
ehemaligen „Gostat“. Unterwegs wurden die neu aufgestellten Bänke und der Spielplatz im Park,
sowie die neuen Haltestellenhäuschen von dem rumänischen Pfarrer geweiht. Der katholische
Pfarrer sollte auch dabei sein, aus gesundheitlichen Gründen konnte er dies aber nicht. Danach
ging es zum neuen Springbrunnen, welcher von der Gemeindeverwaltung zu Ehren der alten
Namensbezeichnung „ENGELSBRUNN“ als „FANTANA INGERULUI“ vor dem
Gemeindehaus erstellt wurde. Nach der Einweihung gingen die Leute in einer stillen Prozession
zum Friedhof, um mit Pfarrer Dirschl unseren Ahnen die Ehre zu erweisen und an ihren Gräbern
zu beten. Hier wie auch in der Kirche hielt unser Landsmann Josef Dittiger eine Ansprache in
deutscher und in rumänischer Sprache (siehe Beitrag von Josef Dittiger).
Nach der Totenehrung und dem Gebet an den Gräbern ging es weiter zur Kantine, wo um 14:00
Uhr der offizielle Empfang der Gemeinde Fantanele und der HOG Engelsbrunn stattfand. Nach
circa 30 Minuten waren unsere 180 Plätze im Saal besetzt, es standen aber noch circa 40 bis 50
Leute draußen! Als ich Emil Slach darüber ansprach meinte er: Nicht nervös werden! Es ist
genug Essen da, wir stellen noch ein paar Tische auf die Terrasse und lassen alle herein. Für 180
Gäste waren wir vorbereitet, weit über 230 Gäste sind gekommen! Alle die rein wollten kamen
rein und wurden auch bewirtet. Dies haben wir dem Stellvertretenden Bürgermeister Emil Slach
zu verdanken. Dieser Mann hat ein einmaliges Organisationstalent.
Hier möchte ich eine Erläuterung zum besseren Verständnis abgeben: Jeder Gast aus Deutschland
konnte seine Freunde und Bekannten zum Mittagessen einladen, musste aber für sich und jeden
Eingeladenen 12,50 € bezahlen. Wir konnten nicht von der Gemeindeverwaltung verlangen, diese
Kosten zu tragen. Die Saalbeschaffung, das Einkaufen der Lebensmittel und Getränke, die
Organisation der Küche und der Bedienung, wurden von der Gemeindeverwaltung erledigt, nur
die Kosten, die entstanden sind, mussten wir tragen. Durch die Eintrittsgelder wurden die
Ausgaben einigermaßen gedeckt, es klafft aber noch eine Lücke. Auch der Bus war nicht zu
unserer Zufriedenheit besetzt. Wir konnten aber durch die Fahrten nach Radna und Temeswar,
bei welchen die Leute, die nicht aus Deutschland mit dem Bus gekommen waren, ihren Beitrag
beisteuerten, die Kosten für den Bus wieder ausgleichen.
Das Essen und die Bedienung beim Empfang waren hervorragend. Ein großes Lob ging an das
Küchenpersonal und die Bedienung. Die Speisenfolge bestand aus: Vorspeise (Salami, Schinken,
gefüllte Tomaten, usw.), Ciorba de perisoare, gemischter Braten (Schwein & Kalb) mit
Kartoffelpüree und Salat. Als Nachspeise gab es von den Frauen aus Fantanele gebackenen
Kuchen (wie früher auf der Hochzeit) mit Kaffee. Wer danach noch Hunger hatte konnte sich
beim Abendessen mit Sarmale nochmal satt essen. Die Musik spielte zum Tanz auf bis circa
23:00 Uhr.
Für die Bewohner, die nicht an unserem Empfang teilnehmen konnten, was auch nicht möglich
gewesen wäre, haben wir im Park vor der Kirche 200 Flaschen Freibier und Salzkipfel für die
Erwachsenen und Limos für die Kinder ausgegeben und die Musik hat durch ihre Darbietung, bis
circa 16:00 Uhr auch hier für Stimmung gesorgt. Laut Aussage einiger kompetenter Leute aus
Fantanele wurde diese Geste sehr gut aufgenommen, denn damit wurde erreicht, dass wirklich
alle, die mitfeiern wollten, mitfeiern konnten. Diese Idee stammte übrigens von Georg Hotz.
Betonen möchte ich hier, dass unser Engelsbrunner Bäcker, „Bandi“ das Brot und 1.000
(eintausend) Salzkipfel für die Feier gespendet hat. Dafür sagen wir DANKE! Dies war ein
Beweis seiner Zuneigung zu seinen ehemaligen Landsleuten.
Am Montag ging es mit dem Bus zu einer Wallfahrt nach Radna. Fünfzig Engelsbrunner,
Neuarader und Amerikaner haben sich auf den Weg gemacht um der Mutter Gottes zu danken
und für neuen Schutz und Hilfe zu beten. Es war eine sehr schöne und ergreifende Wallfahrt mit
einer sehr schönen Messe, zelebriert von Pfarrer Andreas Reinholz, mit musikalischer
Unterstützung der Kantorin und einigen Sängern aus Sanktanna, verstärkt durch einige Frauen
aus unserer Mitte. Nach der Messe erklärte uns Pfarrer Reinholz die Geschichte der Kirche und
des Klosters von der Entstehung bis heute. Danach ging es zum Kreuzweg, welcher leider nicht
von allen, wegen der Beschaffenheit des Geländes (sehr steil) mitgegangen werden konnte. Nach
einer Mittagspause ging es über Ghioroc Minisch, Cuvin, Covasint, Siria und Pancota nach
Sanktanna, wo wir das Deutsche Altenheim der Adam Müller Guttenbrunn Stiftung besuchten.
Hier erlebten wir eine sehr ergreifende Szene. Zwei Neuarader Frauen aus unserer Gruppe
wussten, dass eine Jugendfreundin in diesem Altenheim lebt. Diese Überraschung und Freude der
Heimbewohnerin war unbeschreiblich, es gab viele Tränen der Rührung, nicht nur bei den
Dreien. Selbst gestandene Männer weinten vor Freude und Mitgefühl. Das Haus ist sehr schön
und gut geführt. Es wohnen nur deutsche Frauen und Männer in dem Heim, da es zu fast 100 %
von der Adam Müller Guttenbrunn Stiftung und Spenden aus Deutschland finanziert wird. Nach
diesem Erlebnis ging es zurück nach Arad und Engelsbrunn und ein erlebnisreicher Tag ging zu
Ende.
Dienstagmorgen um neun Uhr fuhr der Bus mit circa 45 Leuten nach Temeschwar zum Besuch
des Domes und des Museums im Bischöflichen Ordinariat. Auch hier besuchten wir das deutsche
Altenheim der Adam Müller Guttenbrunn Stiftung, welches, wie auch das in Sanktanna, sehr gut
geführt ist. Hier besuchten wir auch die Banatschwäbischen Heimatstuben, welche hervorragend
mit Gebrauchsgegenständen der Banater Schwaben ausgestattet sind. Leider ist mir hier ein
Fehler bei der Planung unterlaufen (Datumsfehler) und es musste leider alles sehr schnell
vonstatten gehen. Die Führung im Museum und Dom wurde sehr gut und kompetent gemacht.
Hier mussten wir uns von Annabelle & Allan Smith verabschieden. Sie flogen von Temeschwar,
über München zurück nach New York.
Der Mittwoch und Donnerstag wurde der allgemeinen Ruhe und Eigeninitiative überlassen, was
von vielen auch sehr gut genutzt wurde. Josef und Eva Ganz fuhren in der Nacht über Budapest
und Wien bis Linz, von wo sie, nach einigen Tagen der Ruhe und Erholung, zurück nach New
York geflogen sind.
Es gab bei diesem Besuch sehr viele Begegnungen von Nachbarn und Dorfbewohnern, die sich
seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen haben. Es war sehr gut, die alten Gefühle der
Nachbarschaft, ja der Freundschaft, wieder aufleben zu lassen. Bei unzähligen Gesprächen, die
ich und andere mit den Dorfbewohnern geführt haben, kam immer wieder das Gespräch auf die
Kirchweihfeier vom letzten Sonntag. Es war so viel Dankbarkeit und Wohlwollen und eine
allgemeine Zustimmung bei den Leuten zu spüren, weil wir unsere Kirchweih in der alten
Heimat, in ihrem Dorf, gefeiert haben, was ich nie und nimmer so erwartet hätte.
In einem Gespräch mit einem Journalisten der Arader Zeitung „Adevarul“ wurde ich gefragt, ob
die Deutschen jetzt öfter „nach Hause“ kommen würden und ob sie denn bereit wären in
Rumänien Geld zu investieren, also Geschäfte zu machen? Ich antwortete ihm: “Kommen werden
wir noch öfter, aber um Geld zu investieren ist es noch zu früh. Wir brauchen mehr Sicherheit
von Seiten des rumänischen Staates, aber mit der Zeit kommt vielleicht auch das“.
Mein Aufruf, Spielsachen für den Engelsbrunner Kindergarten mitzubringen, hat eine gute
Resonanz gehabt. Ich konnte relativ viele Spielsachen der Leiterin des Kindergartens übergeben,
was sehr viel Freude und Dankbarkeit ausgelöst hat.
Wir haben der Kirche in Engelsbrunn, der Radnaer Kirche, dem Bischöflichen Ordinariat in
Temeschwar, dem Altenheim in Sanktanna und der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung in
Temeschwar Spenden übergeben, bzw. überwiesen, was mit dem HOG Vorstand abgesprochen
war.
Hans Schlett